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Giraffenhaus und –anlage, Knies Kinderzoo

Das geschwungene, weit auskragende Dach des Giraffenhauses setzt ein markantes Zeichen an der Zufahrtsstrasse zum Zoo.

Hauptsächlich zwei Bilder führen zur Form dieses Daches: Zum einen knüpft es an die Tradition der expressiven Formen der bestehenden Zoobauten an, die seit jeher Bestandteil des Kinderzoo-Erlebnisses sind. Weiter erinnert es an die flachen Baumkronen von Akazien und noch mehr an die Hörner der Watussi-Rinder, welche sich die Anlage mit den Giraffen, den Zebras und den Perlhühnern teilen.
In Kombination mit Oberlichtern ermöglicht die geschwungene Dachform eine sehr gute Ausnutzung des Tageslichtes. Unmittelbar unter dem Dach liegende Lüftungsflügel sorgen für eine gute natürliche Lüftung. Frische, staubfreie Luft und ausreichend Tageslicht sind wichtige Voraussetzungen für die Gesundheit der Tiere. Ein wesentliches Gestaltungsmittel des Giraffenhauses ist der Massstabssprung. Dieser liegt auf der Hand, wenn man für die “höchsten“ Tiere der Welt baut.  Die konventionelle aber überdimensionierte vertikale Fassadenverkleidung aus Douglasie und ein überhoher Betonsockel entsprechen dem Masstab seiner Bewohner – und lassen den Menschen daneben winzig erscheinen.
Das Haus ist beheizt und hat konstruktiv wenig Ähnlichkeit mit einem gewöhnlichen Stall. Durch die Holzbauweise ergeben sich jedoch gewisse gestalterische Freiheiten: Nordseitig liegt die Hallenstatik im Innern des Gebäudes. Durch die vorgeblendete vertikale Fassadenschalung ensteht hier ein ruhiger, geschlossener Eindruck. Südseitig liegt die Statik im Freien und verleiht dem Gebäude ein eigenes Gepräge. Grosse Fenster und Fassadenpanele aus transluzidem Polycarbonat verbinden Aussen- und Innenraum. Obwohl es sich nicht um einen Besucherstall handelt, wird der Gestaltung des Innenraums grosse Beachtung geschenkt. Besonderheiten, die sich aus der Physiognomie der Giraffe ergeben, spielen in der Funktionalität und der Detaillierung des Ausbaus eine massgebende Rolle. Bei der Gestaltung der Innenräume sind insbesondere tiefliegende Hindernisse zu vermeiden. Die lange, greiffähige und sehr kräftige Zunge macht es weiter notwendig, alle Installationen zu schützen um eine Verletzungsgefahr des Tieres zu verhindern.
 
Eine Herausforderung der Planung bestand in der Intergration der Anlage in den Zoorundgang. Obwohl damals 80% der Anlagefläche ausserhalb Zooareals lagen ist das Giraffenhaus heute wie selbstverständlich integriert (Der Elefantenpark war damals noch ein Fussballplatz.). Ein Glücksfall war, dass die  Pump- und Trafostation der Stadt Rapperswil in die Anlage integriert werden konnte. Auf dem Dach der Station entstand eine attraktive Publikumsterrasse, von der aus die gesamte Anlage überblickt werden kann. Der für die Giraffen giftige Efeu wurde durch Steinkörbe ersetzt, wodurch die Betonrahmen der Öffnungen weiterhin zur Geltung kommen und das Gebäude farblich in die Beige- und Grautöne der Umgebungsgestaltung integriert wird.

Zusammen mit dem kugelgestrahlten Betonboden der Stallungen helfen vier verschiedene Bodensubstrate den Hufproblemen der Giraffen vorzubeugen. Die Wasserstelle und eine Gruppe von Bäumen mit einem Schattennetz liegen im zooseitigen Bereich der Anlage.

Bauherrschaft:
Gebrüder Knie, Schweizer National-Circus AG

Projektierung:
ab Juni 2005

Bauzeit:
5 Monate

Eröffnung:
1. Juli 06

in Zusammenarbeit mit Pierre Robin, Architekt HTL SIA
 
Fachbiologische Beratung: Kurt Müller
 
Holzbauingenieur: Pirmin Jung GmbH

Fotos: Dominique Marc Wehrli
 

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Preise:
Holzpreis Schweiz, prix Lignum 09, Anerkennung für den besonders hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz.

Publikationen:
- "1000 x European Architcture", Braun 2012, ISBN 978-3-03768-087-2, Seite 793.
- Lignum Kalender 2009, “Giraffenanlage für Knies Kinderzoo, Rapperswil“, Monatsblatt September
- Holzbulletin 87/2008 Kleine Volumen, “Giraffenanlage für Knies Kinderzoo, Rapperswil“, Seiten 1710 - 1713.
- werk, bauen + wohnen 11|2007, Seiten 52 - 55, Susann Vécsey, Zwei Holzhallen von Müller & Truniger Architekten
- AMC - Le Moniteur Architecture, Nr. 171, Juni 07, J.F. Caille, “Abri pour girafes en Suisse“, p 107-109
- Schweizer Holzbau 4/2007, Dr. Walter Bogusch, “Ein Heim für grosse Tiere“, Seiten 14 - 16